Theater am Rand - Foto: Rudolf Wernicke

„Im Spinnhaus“

Die Sperrgusche fei wahr am Rand
Geschichten eines alten Hauses und seiner Bewohnerinnen als Fundament für Bauvorhaben

Das neue Stück „Im Spinnhaus. Ein Heimatabend“ nach dem Roman von Kerstin Hensel dreht sich um die Seelen von Gebäuden und ihrer Bewohner. Im Stück hausen dort eigensinnige, zähe, traumversponnene, fasernhustende Weibsbilder, ihres Zeichens Wäscherinnen und Spinnerinnen aus dem Erzgebirge.
Thomas Rühmann knautschte, rollte, walkte die Worte wie Wäsche und breitete sie vor den
Ohren der überaus zahlreich erschienen Premierengäste aus. Sie dampften, so frisch erzählt, in der Abendluft über der Oder und wurden allein von seinem Miterzähler und Widerpart Jens-Uwe Bogadtke geplättet. Er gab den eingefleischten Erzgebirgler. Die Geschichten von Trulla Uhlig, der Sperrgusche, von Ziedrichs Lotte, dem Waschkind oder von der Mühl­Susanne wirken schon im Original wie aus Holz gehauen. Kräftig und schwer entstanden die Bilder aus der kleinen Welt der Frauen, die von der großen Geschichte und den Kriegen nicht verschont wird. Es gibt viel schmutzige Wäsche zu waschen.
Die drei Männer am Rand, auf der Bühne, die mit einem Baugerüst aus drei dicken Stämmen inszeniert war, holten diese Figuren ins Bruch, riefen sie an, baten um ihre Unerstützung und beschworen die urige Uhlig in den Schuppen hinters Theater: Dort sitzt sie nun seit Freitagabend, vielleicht fehlen ihr die erzgebirgischen Tannen? Im Buch heißt es, dass die Kinder zu ihr kommen und bitten: "sa uns ner wohl ewos von dir.“ „ Wos wollt ihr denn hern?“ „ Alles, ober ma müsses glaabn  könne.“ „ Wenn ich ewos darzähl, is das fei immer wahr".

Märkischer Sonntag, 25. Juli 2004, Bad Freienwalde, Zollbrücke (saschu)

Stücke / Im Spinnhaus