Theater am Rand - Foto: Rudolf Wernicke

Mitten in Amerika

Wort und Musik, Weh und Glück im »Theater am Rand«

...Und jetzt also neu im Repertoire »Mitten in Amerika«, das Buch der Annie Proulx über Segen und Verhängnis von Stacheldraht, Windrädern, Ölquellen in den Panhandles, wo Texas und Oklahoma aneinander reiben, und das Land ruiniert wird von der industriellen Schweinemast. Die verdiente Schauspielerin des Volkes, Ursula Karusseit, haben sie dazugewonnen und einen Herrn Jens-Uwe Bogadtke, der einen besoffenen, Verse schmiedenden Slapstick-Sheriff hinlegt, an dem unsere Fernsehkomiker und Comedykonjunkturisten studieren könnten, wie sie eventuell zu ertragen wären. Aber was man da nun zur Schweinequal hört, dazu vielleicht wenige Kilometer landeinwärts denkt, nach Hassleben hinauf, zur großen Sauerei (Kommune 1/05), was Proulx und Rühmann uns zum Vernichtungsfeldzug des Kapitals gegen alles, was lebt, erzählen, oder zu den Träumen, die voll geschissene Prärie zu räumen und sie wieder den Büffeln zu überlassen, wenn man dann am Ende Rühmann fast schon gurren hört: »Wir werden an die Ränder ziehen und eine große Mitte frei lassen«, dann begreift man diese Verführung zumindest der 80 Prozent Besucher aus dem Umland: Es gibt wieder etwas »zwischen den Zeilen« zu hören und zu denken! »Zwischen den Zeilen«, der Mythos der DDR-Kultur und ihrer Schaffenden. Endlich wieder »zwischen den Zeilen«, statt zwischen den Beinen.

Wilhelm Pauli in FORUM Kommune 5/05 - gekürzt

Stücke / Mitten in Amerika